contact und geld

Finanzielle Wertschätzung vs Bezahlung

Liebe Freunde,
das Thema Geld ist in unserer Welt immer und überall präsent und für viele, gerade
aufgeschlossene oder alternativ denkende Menschen, oft ein Grund für Ärgernis und
Unzufriedenheit.
Ich möchte meine Sicht zu dem Thema Geld vorstellen, in der Hoffnung, damit einen Samen des
Umdenkens säen zu können und mein Umgehen damit verständlich zu machen.
Ich habe mich entschieden, in meinen Workshops und Kursen einen Selbst-/wertschätzungsbetrag
vorzuschlagen, der einen Richtwert vorgibt, nachdem sich jeder selbst einschätzt, was er/sie mit
seinen/ihren Möglichkeiten geben kann und möchte (weiteres dazu s.u.).
Meine Beweggründe dafür sind vielfältig, ausschlaggebend ist der Wunsch ein zutiefst liebevolles
Leben zu führen und mich dementsprechend in allen Bereichen zu fragen, wie kann ich diesen Teil
meines Lebens noch bewusster, ehrlicher und menschlicher gestalten. Was wäre ein humanes
Verhalten?

Vertrauen
Bezogen auf das Thema Geld ist mir die alte Tradition von Vereinbarungen nach „Treu und
Glauben“ sehr sympathisch, denn sie basiert darauf, dass ich dem anderen vertraue und versucht
nicht, sich über ABG’s und FAQ’S abzusichern. Meiner Ansicht nach haben wir uns an
Stornogebühren, Anmelde- und Bezahlungsmodalitäten, Mahngebühren etc. zu sehr gewöhnt und
hinterfragen nicht mehr, welche Einstellungen und welches Gedankengut damit transportiert wird.
Wenn jemand der Meinung ist, dass dieses Vertragsverhalten wichtig ist, geht er (1) im Prinzip ja
schon davon aus, dass sich sein Gegenüber um eine Zahlung herum drücken will oder wenn nicht
das die Befürchtung ist, so dann die Überzeugung, dass man Angst haben muss, sein Geld zu
bekommen. Damit erliegt die betreffende Person ihren persönlichen Ängsten und innerem
Mangeldenken.
Und wenn ich mich von Angst- und Mangelgefühlen in meinem Leben leiten lasse, ist für mich
offensichtlich, dass das kein weiter, offener, liebevoller Weg ist.
Kehre ich dieses Grundempfinden um und bin im Vertrauen und in der Fülle, dann bin ich voller
Zuversicht, dass ich das bekomme, was mir zusteht und/oder sogar mehr und sich mein
Gegenüber aufrichtig und ehrlich verhalten wird.
Das ist die innere Grundhaltung, die ich im Umgang mit einem Gegenüber förderlich finde und die
ich mit dieser Form der „Selbstwertschätzung“ unterstützen möchte.
Dazu gehört auch, dass ich in meinen Seminaren keine Regressansprüche stelle und keine
Sanktionen wie Ausfallgebühr etc. festlegen.
Ich gehe davon aus, dass jemand der an meinem Angebot teilnehmen möchte, sich dafür
entschieden hat und das gerne machen möchte und wenn er evtl. aus Krankheitsgründen plötzlich
absagen muß, dies ja nicht tut, um mir zu schaden.
Das Leben ist nun mal so, dass Unvorhergesehenes passiert und ich mir eine manche Situation
nicht (bewußt) ausgesucht habe.
In den heute üblichen AGB- Bedingungen hat ein Teilnehmer, der unverhofft ausfällt, neben der
Sorge um die Krankheit (oder Verletzung von sich selbst oder einem Mitmenschen) und der
Enttäuschung, am Seminar nicht teilnehmen zu können, auch noch die finanzielle Belastung der
Seminargebühr, d.h. er hat zusätzlich zu seinem „Schicksalsschlag“ noch eine finanzielle Einbuße
für etwas, was er nicht mal in Anspruch nehmen konnte.
Das ist gesellschaftlicher Usus, den ich nicht unterstützen möchte, es müßte doch vielmehr darum
gehen, einen Mitmenschen in Not zu unterstützen und nicht noch zusätzlich zu belasten.Ich vertraue in meine Teilnehmer, dass sie verantwortungsvolle und ehrliche Menschen sind und
bin der Überzeugung je mehr Vertrauen ich „in die Welt gebe“ umso mehr Vertrauen breitet sich
aus und kommt auch zu mir zurück.
Vielleicht wird es den ein oder anderen geben, der das nicht gewohnt ist und so sehr vom
bestehenden System und dem damit einhergehenden Mangel- und eigenem Vorteilsdenken
geprägt ist, dass er/sie sich evtl. nicht korrekt verhält, doch bin ich ziemlich sicher, dass dieser
Person selbst am meisten unwohl ist, mit ihrem Verhalten und ich werde nicht meine Kraft und
Energie damit verschwenden.
Insofern bin ich für einen Handel auf ehrlicher Basis, jeder bekommt jeder gibt und das Geld gilt als
Transportmittel für Anerkennung und Wertschätzung, aber nicht an Wert an sich oder gar als
Machtmittel.

Fülle
Ich werde immer mal wieder gefragt, ob es eventuell ein Preisreduktion geben könne, da die
Person z.B. Studentin ist und nicht so viel Geld hat, aber so gerne kommen möchte.
Zum einen freut mich das, weil es mir zeigt, dass manche mit dem Thema Geld flexibel umgehen
können, nicht einfach nur bezahlen, was auf dem Etikett steht und sich weiter keine Gedanken
machen und weil die Person für ihre Bedürfnisse eintritt, sich für sich selbst einsetzt und
vorherrschende Bedingungen, die aber für sie persönlich nicht stimmen, nicht einfach nur
akzeptiert und erträgt.
Zum anderen bin ich verwundert, dass das Mangeldenken „ich habe nicht genug“ so tief sitzt.
Nicht dass ich nicht glauben würde, dass das Thema Geld für den ein oder anderen „schwierig“ ist,
ich selber bin damit auch weiter auf dem Weg, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass (zumindest für
die meisten, die diese Bitte äußern) faktisch genug Geld da ist. Nur das Bewußtsein um den
Mangel ist stärker.
(Ich erlaube mir, das zu sagen, weil ich im Laufe der Jahre viele solche Aussagen über Geld gehört
habe und später festgestellt habe, das die entsprechenden Leute deutlich mehr Geld besaßen als
ich und ich habe mir bisher jede Reise, jeden Workshop, etc. leisten können, die/der mir wichtig
war.)
Natürlich ist mir bewusst, dass die Reichtumsverteilung in unserer Gesellschaft (ganz zu
schweigen von der globalen) eine massive Schräglage hat und das, was jemand für sein Leben an
Geld zur Verfügung hat extrem unterschiedlich ist. Darum biete ich (wie auch Heike Pourian, die
die Diskussion in der „Contactwelt“ sehr vorangetrieben hat) die Möglichkeit der Selbstein-/ und
Wertschätzung an. Das bedeutet, das jede/r für sich selber schauen soll, was ihm der Workshop
wert ist und wieviel er zur Verfügung hat, sowie realistisch einzuschätzen, was die Leitungsperson
alles an Qualitäten und Qualifikationen bereitstellt (dafür dient zur Hilfestellung der „Richtwert“),
um daraus ein Maß für sich zu finden und ein stimmigen Geldbetrag zu ermitteln.
Das geht zum einen davon aus, dass dem Teilnehmer der Workshop auch was wert ist und er nicht
nur hingeht, weil es ihm z.B. gesagt wurde. d.h. er trifft eine echte Entscheidung für … – sich (und
den Workshop)
Das bedeutet wiederum, dass auch im Workshop nur Menschen sind, die da wirklich sein wollen.
Desweiteren erfolgt ein ehrliches Hinschauen auf das, was ich zur Verfügung habe. Ich stelle fest,
was ich alles habe (Fülledenken) und kläre für mich, wieviel ich davon geben möchte.
(Interessanterweise erlebe ich häufig, dass gerade die, die gar nicht so viel haben, sehr gerne
geben und den ideellen, emotionalen,… Wert einer Sache viel höher einschätzen, als Menschen,
die mehr zur Verfügung haben.)
Zum Beispiel könnte sich jemand überlegen, mir bedeutet ein Contact-Workshop so viel wie ein
kompletter Urlaub (ich lerne neue Dinge, lerne neue Menschen kennen, erkenne Neues über mich,
ich kann entspannen, habe Raum für mich und meine Bedürfnisse etc.), wieviel würde ich für einen
entsprechenden Urlaub bezahlen (bei dem ich all das bekomme)? Ok, dann kann ich diesen
Betrag x ja auch für den Workshop bezahlen.Miteinander
Zum anderen geht dieses variable Umgehen mit Geld von dem Prinzip des Ausgleichs aus. D.h.
indem derjenige, der mehr geben kann, mehr gibt und der andere weniger, können alle teilnehmen,
denen es wichtig ist und jeder bekommt das, was er braucht.
Ich begreife dies als ein Grundprinzip organischen Lebens hier auf der Erde. In einem gesunden
Ökosystem greift alles ineinander, der eine profitiert vom anderen, die Biene von der Blüte u.u.
jeder gibt jedem und es ist (mehr als) genug für alle da.
Insofern könnte man also sagen, mit dieser Idee des Ausgleichs und Austausches „ökologisieren“
wir die Geldwirtschaft und tragen zur Gesundung des monetären Systems bei.
Natürlich kann man sich zu diesem Thema viel umfassender beschäftigen (siehe links) und ich bin
da bestimmt kein Profi, trotzdem ist es mir ein Anliegen, meine Sichtweise in meinem Kursen,
Angeboten weiter zugeben, weswegen ich mir hier die Mühe gemacht habe, meine Gedanken
dazu zu verschriftlichen.
Ich wünsche mir, dass diese Ausführungen zum Thema Geld nachvollziehbar sind und vielleicht ja
auch für Dich (2) umsetzbar und zum Nachahmen inspirieren.
Und wenn du weitere Idee, Anregungen, Fragen dazu hast oder denkst „es geht nicht“, freue ich
mich, wenn wir miteinander ins Gespräch kommen.
Ich kann nicht anders, es drängt sich in mir auf und so will ich dir’s nicht vorenthalten und selbst
wenn man’s schon oft gehört hat, ich meine es wirklich so:
„ wir finden einen weg“
„ zusammen sind wir stark“
und im Sinne der Musketiere „einer für alle, alle für einen“
alles Liebe, Beste, Feine
Barbara
Januar 2014

1 Ich benutze in diesem Text, zur vereinfachten Schreibweise, die männliche Deklinationsform, möchte damit
aber ausdrücklich alle Geschlechter verstanden wissen und niemanden damit ausgrenzen
2 Ich habe mich für die Ansprache mit „Du“ entschieden, um zu verdeutlichen, dass mir die Person als
Mensch wichtig und nahe ist und ich mit einem „Sie“ einen offiziellen Abstand erzeuge, der meinem
Bestreben nach Miteinander widerspricht.
Links
Natürlich bin ich nicht die erste und einzige, die sich dazu Gedanken gemacht hat und ich möchte
an dieser Stelle auch auf Heike Pourian verweisen sowie
1. Die Idee der solidarischen Landwirtschaft: eine Gruppe privater Haushalte finanziert das
Wirken eines bäuerlichen Betriebs durch regelmäßige (einkommensabhängige) monatliche
Zahlungen und sichert damit das Bestehen des Bauernhofes. Der Hof kann sinnvoll arbeiten, ist
nicht mehr auf maximale Erträge angewiesen und wird auch die krummen Gurken los, denn der
Ertrag geht direkt an die unterstützenden Haushalte.
Wer mehr wissen will: http://solidarische-landwirtschaft.org
Übertragen auf unsere Situation: ich kann mir viel Preiskalkulation und Geldeintreiben sparen („du
hast später überwiesen, das kostet X€ mehr!“), weil ich weiß, es kommt monatlich Geld. Auch
Workshops mit wenig Anmeldungen finden statt, weil es sich nicht mehr „lohnen“ muss. MeineEnergie geht in das, was ich wirklich tun will.
2. Die buddhistische Tradition des Dana:
Dana heißt soviel wie „im Geiste der Großzügigkeit und Solidarität“ und ist ein wesentlicher
Bestandteil der buddhistischer Haltung. Es wird von LehrerInnen/MeisterInnen praktiziert, die Ihre
SchülerInnen auf dem spirituellen Weg begleiten. Grundgedanke ist, dass „Lehre“ mit Geld nicht
zu bezahlen ist. Sie ist keine Ware, hat eher die Gestalt eines Geschenkes, für das ich mich in
angemessener Weise erkenntlich zeigen möchte. Die gelebte Solidarität ermöglicht es
interessierten Menschen, auf eine spirituelle Forschungsreise zu gehen, auch wenn sie es sich
nicht „leisten“ können. Oder auch die Idee, etwas geschenkt zu bekommen: jemand anders hat
diese Erfahrung schon gemacht und spendet nun Geld, damit ich sie auch machen kann –
bedingungslos. Ausführliche Gedanken dazu: http://www.buddhismus-
soziales.de/infos_texts/101.pdf
Übertragen auf unsere Situation: das was ich unterrichte, gebe ich nur weiter. Es ist nicht mein
Eigentum, ich kann es eigentlich nicht „verkaufen“. Martin Keogh hat Contact mal mit Open Source
Programmen wie Linux verglichen, es gibt (dank einer weisen Entscheidung in den Anfängen)
weder Copyright noch Trademark, die Tanzenden – alle – entwickeln tanzend diese Form weiter.
Und wir, die wir CI unterrichten, spielen dabei eine tragende, bündelnde Rolle.
3. Tauschen
Tauschringe und die Gib&Nimm- Bewegung sind inzwischen bekannt und weit verbreitet. Wenn ihr
etwas anderes als Geld zu geben habt, bietet es mir an: ich freue mich über Fahrradreparaturen,
Website-Pflege oder Birnen aus eurem Garten… möchte aber gern mit entscheiden, welcher
Tausch in welchem Umfang für mich Sinn macht. Mehr Infos z.B: http://heidemarieschwermer.com